Gedenkfeier für Josef Finster, 1900–1941
Samstag, 29. November 2025, St. Barbara Friedhof

Josef Finster 1916

 

Wer war Josef Finster?
Josef Finster, geboren im Februar 1900, wurde am 14. Juni 1938 in Linz von der Kriminalpolizei verhaftet, drei Monate nachdem die Nationalsozialisten in Österreich die Macht übernommen haben. Die Polizisten nahmen den damals 38-jährigen Mechaniker und Hunderte andere Menschen in „Vorbeugungshaft“. Dazu ermächtigte sie ein staatlicher Sondererlass, wonach „ein schlagartiger Zugriff auf alle gefährlichen Berufs- und Gewohnheitsverbrecher durchzuführen“ sei. Wegen kleinerer Delikte stand Josef Finster in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren mehrfach vor Gericht. Das genügte den Behörden, um Josef Finster zu verhaften und in das Konzentrationslager Dachau zu deportieren. Die Gestapo überstellte ihn wenige Tage später in das KZ Flossenbürg im Bayrischen Wald, wo Josef Ende November 1941 zu Tode kam.

Das Erinnerungsprojekt – Gedenkstein …
Der Gedenkstein ist Teil eines Projekts, das sich als Beitrag zur Erinnerungskultur über die NS-Vergangenheit mit einem besonderen regionalgeschichtlichen Bezug zur Stadt Linz versteht. Josef Finster steht für eine lange missachtete und ignorierte Gruppe der NS-Opfer: In den Konzentrationslagern mussten die Vorbeugungshäftlinge einen grünen Winkel tragen und wurde von der SS als „Berufsverbrecher“ verunglimpft.
Nach 1945 und dem Ende des KZ-Systems wurden die Opfergruppe der überlebenden „Grünen“ an den Rand der Erinnerung gedrängt und von jeglicher Rehabilitation ausgeschlossen. Zahlreiche ehemalige Häftlinge der Konzentrationslager erinnerten die „Berufsverbrecher“ als Häftlinge, die sich der SS als „Kapos“ angedient hätten, um persönliche Vorteile zu gewinnen. Neuere Forschungen belegen, dass diese Berichte ein pauschalierendes und irreführendes Bild der „Grünen“ zeichnen. Es gab auch „politische“ Häftlinge, die ihre Position in der Lagerhierarchie zum eigenen Vorteil nutzten und es gab „kriminelle“ Häftlinge, die sich anständig und solidarisch verhielten.
Erst in allerjüngster Vergangenheit finden sich Bemühungen, die Macht des Stereotyps in der Einschätzung der „Grünen“ zu relativieren und diese Opfergruppe in ein angemessenes Licht zu rücken.

… und Lebensgeschichte
Als zweiter Teil des Projekts erscheint eine sorgfältig recherchierte Lebensgeschichte von Josef Finster, verfasst von seiner Großnichte Waltraud Kannonier-Finster gemeinsam mit Meinrad Ziegler. Das Buch enthält neben den biografischen Daten ausführliche historische Darstellungen seiner Lebensumstände in Linz sowie der Hintergründe der Willkürmaßnahmen des Regimes, die zu seiner Verhaftung geführt haben. Der Autorin und dem Autor des Buches ist wichtig, dass Josef Finster nicht nur als Opfer des Nationalsozialismus, sondern als Mann erinnert wird, der – aus einfachen Verhältnissen kommend – vor seiner Ermordung ein zwar karges, aber doch ein Leben geführt hat. Zugleich wird an einem konkreten Beispiel das nationalsozialistische System der Inhaftierung, Deportation und Ermordung der „Berufsverbrecher“ begreifbar. Die „vorbeugende Verbrechensbekämpfung“, vorgeblich zum Schutz der Gesellschaft vor imaginären Verbrechermenschen vollzogen, war ein Unrecht. Es ist in der Erinnerungspolitik zu den Opfern des Nationalsozialismus noch kaum anerkannt.

 

Das Buch ist in jeder Buchhandlung erhältlich:
Waltraud Kannonier-Finster und Meinrad Ziegler. 2026.

Josef Finster

Eine Recherche.

Bad Ischl. Linz. Dachau. Flossenbürg. Bad Ischl.

Verlag plag dich nicht. 169 Seiten, Schweizer Broschur-Bindung

Link zum Buch

Weiterführende Literatur:
Andreas Kranebitter. 2024. Die Konstruktion von Kriminellen. Die Inhaftierung von »Berufsverbrechern« im KZ Mauthausen. Wien: new academic press.
Frank Nonnenmacher (Hrsg.). 2024: Die Nazis nannten sie »Asoziale« und »Berufsverbrecher«. Geschichten der Verfolgung vor und nach 1945. Frankfurt a. M., New York: Campus.

Folgende Institutionen und Einzelpersonen, haben das Projekt gefördert:
– Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus
– Zukunftsfonds der Republik Österreich

– Kulturamt der Oö Landesregierung
– Kulturamt der Stadt Linz
– Institut für Historische Sozialforschung, Arbeiterkammer Wien
– Arbeiterkammer Oberösterreich
– Diözese Linz
– Beate Adam
– Johann Bacher
– Stadtrat Thomas Gegenhuber

 

 

Waltraud Kannonier-Finster, waltraud.finster(at)dahina.com
Meinrad Ziegler, meinrad.ziegler(at)jku.at

 


 

 Impressionen von der Gedenkfeier am 29. November 2025, St. Barbara Friedhof, Linz.